Laktose – Intoleranz

Laktose ist das grundlegende Kohlenhydrat der Milch. 1 l Milch enthält 50 g Laktose. Das im Epithel der Dünndarmschleimhaut gelegene Enzym Laktase spaltet die Laktose in jeweils ein Molekül Glukose und Galaktose. Nicht gespaltene Laktose passiert das Colon und wird von Bakterien zu Wasserstoff und kurzkettigen Fettsäuren fermentiert. Die Folgen sind Bauchschmerzen und –koliken, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall und Übelkeit.

 

Laktose kann von der Mehrheit der Weltbevölkerung (bis zu 90% der Asiaten und Afrikaner) nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwertet werden (genetisch bedingter primärer Laktasemangel, der sich zwischen dem 1.-13. Lj. manifestiert). In Mitteleuropa leiden 10-15% der Bevölkerung an einer Laktose-Intoleranz, die auf dem Nachlassen oder Sistieren der Produktion des Verdauungsenzyms beruht.

 

Bei der Laktose-Intoleranz werden 2 Formen unterschieden:

 

1. der primäre (angeborene) Laktasemangel

Dies ist die häufigste Form. Nach der Stillperiode geht die Laktaseproduktion zurück. Die genauen Pathomechanismen, die zum Nachlassen der Laktaseproduktion führen, sind noch nicht geklärt. Meist stellen sich die Symptome im Erwachsenenalter ein, Kinder sind selten betroffen. Diese Form ist mit bestimmten Phänotypen des polymorphen Laktose-Gens assoziiert.

 

2. der sekundäre (erworbene) Laktasemangel

Dies ist die Folge einer Störung der Mucosaintegrität, z.B. bei Zöliakie, tropischer Sprue, M. Crohn, M. Whipple, infektiösen unspezifischen Diarrhöen im Kindesalter, Zytostatika-Behandlung etc. Häufig sind auch andere Hydrolasen der Dünndarmschleimhaut vermindert, die Laktosemalabsorption ist jedoch am empfindlichsten. Die Laktose-Intoleranz wird durch Verlauf der Grunderkrankung bestimmt, sie kann jedoch auch nach Restitution der Schleimhaut persistieren.

 

 

Diagnostik der Laktose-Intoleranz

1. Direktes Verfahren:

    Nachweis der Enzymaktivität aus einer Biopsieprobe

 

2. Indirekte Verfahren:

a) Laktosetoleranztest (LTT):

Hier gelangen Sie zum entsprechenden Eintrag im Leistungsverzeichnis.

Bestimmung der Glukose nüchtern

Gabe von 50 g Laktose (Kinder 2g/Laktose je kg, bis max. 50 g Laktose)

Bestimmung der Glukose nach 30, 60, 90 und 120 min (venös oder kapillär)

Bewertung: Fehlender Anstieg der Glukose um mind. 20 mg/dl, klinische Symptome im Verlauf von 8 Std. nach Testbeginn (Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall) deuten auf eine Laktose-Intoleranz hin.

Der LTT allein ist nicht ausreichend zur Diagnose einer Laktosemalabsorption, die diagnostische Sensitivität beträgt maximal 75%.

Einflussgrößen: bei etwa 25% kommt es nach oraler Laktosebelastung trotz normaler Laktaseaktivität zu einem abgeflachten Glukoseprofil (Motilitätseinflüsse, verstärkte Glukoseaufnahme in das Gewebe).

 

 

b) H2-Atemtest nach Laktose

Gabe von 50 g Laktose in 400 ml Wasser.

Bestimmung von H2 mit einem speziellen H2-Atmemessgerät basal, sowie nach 30,60, 90 und 120 min.

 Bewertung: Zunahme der H2 > 20 ppm nach 120 min. sowie das Auftreten klinischer Symptome innerhalb von 8 Stunden deuten auf eine Laktose-Intoleranz hin.

Es kann von einer relevanten Pathogenese ausgegangen werden.

Einflussgrößen:  alle Maßnahmen, die zu einer deutlichen Reduktion der Bakterienflora des Colons führen (Lavage, Abführmaßnahmen, Antibiotikatherapie), verursachen falsch normale Ergebnisse.

Falsch positive Ergebnisse werden durch schlechte Mundhygiene, Rauchen, Kaugummikauen, Anwendung von Haftmitteln bei Prothesenträgern oder eine zu üppige Mahlzeit am Vorabend gemessen.

 

 

c) 13CO2-Atemtest oder 14CO2-Atemtest nach Laktose

Gabe von 13C-Laktose

Messung von 13CO2 über 4 Stunden

Bewertung: 13CO2 < 14,5% kumulativ spricht für eine Laktose-Intoleranz

 oder

Gabe von 5 µCi 14C-markierter Laktose und 50 g Laktose

Messung von 14CO2 nach 1 Stunde

Bewertung: 14CO2 < 1,5% 1 Stunde nach Laktosetrunk spricht für eine Laktose-Intoleranz

 

 

d) Genotypisierung

Hier gelangen Sie zum entsprechenden Eintrag im Leistungsverzeichnis.

Diese stellt eine relativ neue Methode in der Diagnostik dar. Die Bestimmung erfolgt aus EDTA-Blut. So wird ohne Beeeinflußung von äußeren Umständen eine Aussage darüber getroffen, ob die getestete Person die genetische Veranlagung zu einer Persistenz, bzw. fehlenden Persistenz der Laktaseaktivität hat.

 Bewertung: Eine sekundäre Laktoseintoleranz wird von der Genotypisierung nicht erfasst.

  • Deshalb sollte bei einem negativen Gentest und einem klinischen Verdacht auf eine Laktoseintoleranz zusätzlich auch ein H2-Atemtest durchgeführt werden.

 

  • Bei positivem Atemtest, bei dem nicht aufgrund der Anamnese eine primäre Laktose-Intoleranz wahrscheinlich ist, sollte zur Unterscheidung von primärer und sekundärer Laktose-Intoleranz eine Genotypisierung erfolgen.

 

  • Laktoseintolerante Frauen mit CC Genotyp (LCT-13910) weisen eine signifikant niedrigere Knochendichte sowie eine deutliche erhöhte Anzahl von schweren Frakturen auf, so dass die homozygoten Trägerinnen einen deutlichen Risikofaktor für Osteoporose besitzen.