Informationen zum Vorgehen bei Verdacht auf Ebola

Bei Verdacht auf Ebola-Fieber bzw. auf Inkubation mit dem Ebolavirus schicken Sie bitte in KEINEM Fall Patienten zur Blutentnahme bzw. Blutproben zu uns ins Labor, eine Ebola-Diagnostik kann und darf bei uns NICHT durchgeführt werden. Schicken Sie uns auch KEINE ANDEREN PROBEN eines entsprechenden Patienten (z.B. für Blutbild, Gerinnung oder andere Infektionsdiagnostik).

Bitte wenden Sie sich an die unten angegebenen Kontaktadresse. Diese Institute sind auf einen entsprechenden Fall bestens vorbereitet.

Erreger

Das Ebolavirus, gegliedert in fünf bekannte Spezies, gehört zur Familie der Filoviridae. Aufgrund des klinischen Verlaufs werden sie zu den Viren gezählt, die virale hämorrhagische Fieber (VHF) hervorrufen können.

Infektionsweg

Als tierisches Reservoir werden Affen, Nagetiere und Flughunde verdächtigt; die die Infektion auf den Menschen übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist durch den Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten von erkrankten Menschen oder Verstorbenen möglich, so dass insbesondere betreuende Personen, medizinisches Personal mit direktem Kontakt und Laborpersonal gefährdet ist. Bisher liegen keine Hinweise auf eine Übertragung von Filoviren durch die Atemluft vor.

Klinische Symptomatik

Die klinische Diagnose ist im Anfangsstadium aufgrund der relativ unspezifischen allgemeinen Symptomatik schwierig. Nach einer Inkubationszeit von 2-21 Tagen beginnt die Erkrankung plötzlich mit Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Konjunktivitits, Pharyngitis, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind Schleimhautblutungen (auch aus dem Gastrointestinal- und Genital-trakt), bisweilen auch Ekchymosen zu beobachten. Oligourie oder Anurie bis hin zum drohenden Nierenversagen sind relativ häufig, Zeichen einer Enzephalitis können auftreten. Als Anzeichen einer Leberbeteiligung treten Thromobozytopenie, Lymphopenie und eine Erhöhung der Transaminasen auf. Bei Ausbrüchen in der Vergangenheit verstarben 50-80% der Patienten an den Folgen eines kardiopulmonalen Schocks.

Bei einem begründeten Verdacht muss unverzüglich das Gesundheitsamt kontaktiert werden, so dass kompetente Hilfe vermittelt und die notwendigen Anordnungen getroffen werden können.

Falldefinition des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern

  • Fieber > 38,5°C und
  • Reiseanamnese (3 Wochen vor Krankheitsbeginn in einem Endemiegebiet bzw. Gebiete,
  • in denen in den letzten 2 Monaten VHF-Fälle bekannt wurden) und
  • Anhaltspunkte auf Kontakt mit Körperflüssigkeiten an VHF erkrankter/verstorbener Personen/Tiere
  • oder Verzehr erkrankter/verstorbener Tiere („bushmeat“).

Labordiagnostik

Eine entscheidende Rolle spielt die sorgfältige Anamnese (Art und Dauer der Reise; präventive Maßnahmen, nähere Kontakte mit Kranken, Aufenthalte in der Wildnis, mögliche Kontakte mit Tieren, insbes. mit Affen, Nagern oder deren Exkremente) und der differentialdiagnostische Ausschluss einer Malariaerkrankung. Bei dieser und allen weiteren Maßnahmen ist bereits unbedingt auf die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen zu achten (siehe Abb. 1).

Während der akuten Krankheitsphase kann ein Direktnachweis des Virus aus dem Blut mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Virusanzucht oder elektronenmikroskopischer Untersuchung erfolgen. Serologisch ist der Nachweis von spezifischen Antikörpern (IgM und IgG) mittels IFT, ELISA und Neutralisationstest möglich.

Die Labordiagnostik muss in einem Speziallabor der Schutzstufe 4 erfolgen. Für die mikrobiologische Diagnostik stehen in Deutschland das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und das Konsiliarlabor für Filoviren an der Universität Marburg (siehe Kontaktadressen) zur Verfügung.

Therapie

Die Therapie erfolgt bisher rein symptomatisch; eine kausale Therapie steht aktuell nicht zur Verfügung. In den USA befindet sich momentan eine neue Substanz für die Anwendung beim Menschen in der Zulassung.

Meldepflicht

Bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod besteht eine Meldepflicht für den behandelnden Arzt gemäß
§ 6 Abs. 1 Nr. 1g Infektionsschutzgesetz (IfSG) (virusbedingtes hämorrhagisches Fieber) und bei direktem oder indirektem Erregernachweis für das Labor in Verbindung mit einer akuten Infektion unabhängig vom klinischen Bild gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 12 bzw. 30 IfSG. Die Meldungen sind gemäß § 11 IfSG über die zuständigen Landesbehörden an das RKI zu übermitteln.

Das Auftreten einer Erkrankung an Ebola-Fieber ist zusätzlich nach § 12 IfSG übermittlungspflichtig, so dass das Gesundheitsamt unverzüglich die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde und diese unverzüglich das Robert-Koch-Institut (Zentrum für Infektionsepidemiologie) zu informieren hat. Das RKI gibt die Information an die WHO weiter.

Abb. 1: Erste Maßnahmen bei Verdacht auf hämorrhagisches Fieber (schematisch)

Kontaktadressen

Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Bernhard-Nocht-Str. 74 20359 Hamburg Konsiliarlabor für Filoviren Institut für Virologie Klinikum der Philipps-Universität Marburg Hans-Meerwein-Str. 2 35043 Marburg
Leitung: Herr Prof. Dr. B. Fleischer Telefon: 040 42818-401; 040 42818-0 (Zentrale) Telefax: 040 42818-400 E-Mail: Labordiagnostik@bni-hamburg.de Homepage: Bernhard-Nocht-Institut Hamburg Ansprechpartner: Herr Prof. Dr. S. Becker, Herr Dr. Eickmann
Fragen zu diagnostischen Indikationen und Verfahren: Mikrobiologische Zentraldiagnostik Telefon: 040 42818-211 E-Mail: Labordiagnostik@bni-hamburg.de Telefon: 06421 28 -66254; 06421 28-64315 Telefax: 06421 28-68962 E-Mail: becker@staff.uni-marburg.de; eickmann@staff.uni-marburg.de
Fragen zur Therapie: Ambulanz der Klinischen Abteilung Tel.: 040 312851 Homepage: Philipps-Universität Marburg

Literatur:

  • Robert-Koch-Institut: Übersicht Ebola-Fieber/Marburg-Fieber, RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, www.rki.de/Infektionskrankheiten/Ebolavirus-Infektionen Fock, R.; Koch, U., Wirtz, A.; Peters, M.; Ruf, B., Grünewald, T. (2001)
  • Erste medizinische und antiepidemische Maßnahmen bei Verdacht auf virales hämorrhagisches Fieber Med. Welt 52, 126-132

Autor:

  • Dr. Sigrid Hofäcker, Prof. Dr. med. Rüdiger Braun, MVZ Labor Ludwigsburg

Stand: August 2014